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Kompensation

  • 12. Dez. 2017
  • 2 Min. Lesezeit

Nach einem harten Tag fallen wir hypnotisch ins Sofa. Das Wochenende ist die rettende Insel vor dem Untergang. Wir sind heruntergekämpft, vielleicht am Rand der Überforderung und evtl. schwingt da auch einwenig (oder auch mehr) Selbstmitleid mit und wir kompensieren: Endlich mal keine Aufgabe, endliche mal Ruhe, endlich mal das, was man sonst nicht haben kann! Da tut sich ein hungriger Schlund auf, der sich plötzlich sehr bestimmend hervor drängt.

Manchmal so dominant, dass unsere Freizeit gar nicht mehr so frei ist. Plötzlich wird das Zeitung lesen, der Filmabend, der Einkaufsbummel etc. zum Diktat und das offenbart sich eben genau dann, wenn dafür eine nette Einladung, ein hilfesuchendes Telefon, oder ein anderer wichtiger oder positiver Impuls rüde beiseite geschoben wird. Wir brauchen jetzt Kompensation, wir haben sie verdient!

Wir hungern uns aus und fressen dann gierig. Wir powern uns tot und legen uns dann an den Tropf. - Jedenfalls fühlt es sich so an. So richtig schlimm geht es uns ja schon nicht und trotzem: 'Ich brauche es jetzt, stör mich nicht!'

Vielleicht sollten wir unser Augenmerk nicht nur auf die Erholung richten, sondern uns fragen, wie wir unseren Tag so leben können, dass wir nicht völlig erschöpft nach Hause kommen. Da wird mit Sicherheit Entwicklungspotential sein, um unseren Arbeitsalltag im Allgemeinen gut lebbar zu gestalten. Vielleicht ist es ein freundliches Lächeln, ein Zeichen der Wahrnehmung und Wertschätzung. Ein Händedruck mit Wärme, eine kurze Frage: 'Wie geht's?', mit offenem Ohr. Es verwandelt jede Begegnung und die ganze Atmosphäre wendet sich! Vielleicht ist auch schon lange ein Gespräch mit dem Vorgesetzten fällig oder mit dem Arbeitskollegen und die ungeklärte Sache wirkt in uns wie Gift. Vielleicht ist auch ein grundsätzlicher Wechsel dran. Was ist es?

Das 'gute Leben im Alltag' ist greifbarerer, als wir denken. Wir müssen es ansehen und darüber nachdenken und gestalten, anstatt abends zu fliehen - es ist unser Leben! An jeder Ecke lässt sich ein kleiner Bach finden, aus dem wir trinken und uns aufbauen können - wir sollten nicht an ihm vorbei gehen, bevor wir uns nicht niedergekniet haben, um zu trinken.

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