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Uniforme Gerechtigkeit

2. Feb. 2017
3 Min. Lesezeit

Noch immer stehen wir hilflos Ungerechtigkeiten der Welt gegenüber. Der Starke kümmert sich nicht um den Schwächeren oder beutet ihn gar schamlos aus. Gerechtigkeitsliebende Leute hecken Ideologien und Gesetze aus, um Recht zu schaffen, Gleichwertigkeit und Würde. Ein Versuch, der bis zu einem gewissen Grade auch geglückt ist.

Der Ruf nach Gleichheit durchdringt die letzten Jahrhunderte in verschiedensten Facetten: Französische Revolution: Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit; später die klassenlose Gesellschaft, gleicher Lohn, die revolutionären Gedanken Lenins; gleiche Rechte für Mann und Frau als Ziel der Emanzipation; heute die rassenfreie Gesellschaft, in der Ethnien nicht benannt werden dürfen, mit dem Ziel, die Diskriminierung auszuschalten.

Gute Absichten stehen dahinter und haben mit Sicherheit auch viel Gutes hervorgebracht. Ich bin auch sehr zu Dank verpflichtet, all denen, die Leben und Kraft eingesetzt haben, um der Gerechtigkeit willen.

Die Entwicklung geht weiter und Nebenwirkungen sind sichtbar geworden, denn was nicht wirklich gleich ist, kann auch nicht gleich gemacht oder gleich behandelt werden - oder aber der Schwächere kommt wieder zu Schaden, einfach in anderen Formen. Es gibt Gefahren.

Gleichheit bringt Identitätsverlust

Wenn gleicher Wert mit gleich-sein gleichgesetzt wird, negieren und übergehen wir die realen Unterschiede. Unterschiede machen das Leben vielfältig und reich, sprengen enge Grenzen und inspirieren unseren Geist. Unterschiedlichkeit ist ein Grundwert der Erde - keine Schneeflocke und kein Blatt ist zweimal in gleicher Form zu finden!

Wenn sich in unsere Köpfe das Ziel der Gleichheit eingenistet hat, werden wir unser Wesen verleugnen und ein anderes Individuum imitieren. Wir verpassen die Auseinandersetzung mit unserem ureigensten Wesen und seinem Ausdruck, seiner Ausprägung in unserem Leben. Dürfen z.B. Leader-Frauen weiblich sehen, fühlen und handeln?

Gleichheit bedeutet Armut

Das Andersartige fordert uns immer heraus. Unsere Harmoniebedürftigkeit drängt uns manchmal unbewusst zur Gleichmacherei. Da gibt es die Konventionen und kulturellen Normen die uns Sicherheit geben, aber die das Andersartige als unvollkommen, unattraktiv und unwert erscheinen lassen. Als Störfaktor empfunden, wird was quer in der Landschaft steht ausgegrenzt, ausgeschaltet oder abgetrieben. Brave new World - Eine gerechte Welt ohne Leiden! - Sind es nicht grade die unbekümmerten Ausrufe eines geistig Behinderten, die uns in die Freiheit locken oder der Anblick der sterbenden Mutter, der uns auf die wesentlichen Dinge des Lebens aufmerksam macht?

Gleichheit legt einen Druck auf den Schwächeren

Um im System der Gleichheit mitzuhalten, gilt es nun, den Anforderungen zu genügen. Der Verdacht der Schwäche oder Ausrede verfolgt uns und treibt uns zu Höchstleistungen an. Wir fühlen uns als Versager, wenn wir unsere Möglichkeiten nicht ausschöpfen und mithalten. Gnadenlos pressen wir mit letzter Kraft unsere hohen Ansprüche auf unser Leben bis zum Bournout und verlieren die Sicht für den unteren Weg, der zwar etwas niedrig und banal erscheint aber grosse Freiheit, Entspannung entfaltet und seine eigene Schönheit besitzt.

Gleichheit entbindet den Stärkeren von seiner Verantwortung

Der Staat hat viel gutes im Sinne der Gerechtigkeit eingerichtet: Steuerausgleich, Sozialeinrichtungen, Bildungssystem, Renten etc. Es scheint, dass sich nun keiner mehr kümmern muss, da alles schon geregelt ist. Mit grosser Freiheit und Selbstgerechtigkeit können sich Superreiche zurücklehnen, da sie ja die hohe Steuerleistung schon erbracht haben. Der Graben zwischen den Gesellschaftsschichten klafft grösser und grösser und zwischen Mann und Frau nicht weniger. Die Herzensebene des Dienens wurde ausgeschaltet und Kosten- und Ämtlipläne aufgestellt, die hilfreiche Ergänzung durch die Ungleichheit ist einer 50/50-Struktur gewichen, die beschützende Rolle des Stärkeren (wer wo auch immer) ist nun durch Gleichgültigkeit und Rechtfertigung aufgehoben worden.

Gleichmacherei wird den realen differenzierten Umständen nicht gerecht. Soziale Strukturen sind zu komplex, als dass sie mit einer Ideologie oder einem politischen Programm gerecht gemacht werden könnten. Das Individuum im kulturellen Hintergrund ist schwer zu erfassen. Wir brauchen für jede Situation Herzensaugen zur richtigen Einschätzung, und wir brauchen eine Armee von Menschen, die gewillt ist, ihr Umfeld wahrzunehmen und zu handeln. Die Revolution liegt im Erkennen des eigenen Einflusses und in der Bereitschaft, für die Würde und Wertschätzung des andern auch ein Opfer zu bringen. Das war und ist schon immer der Auftrag Jesu.

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